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 Topic review - OOC: Fanfiction 
Author Message

Reply with quote Post Posted: 22 Oct 2009, 12:48
Re: OOC: Fanfiction
~Der Geist~
Stimmen.

Farben.

Licht.

Gerüche.

Geräusche.

Schatten.

Wärme.

Kälte.

Angst.

Schmerz.

Ich spüre, sehe, rieche all das mit jeder Faser meines geisterhaften Körpers, ich vernehme das stetige Ticken der Uhr, ich fühle ihre Hände, wie sie mich berühren, streicheln, und ihre Stimmen, die da sagen: „Maus, wir haben dich sehr lieb.“

Wie das alles passieren konnte, weiß ich nicht.

Ich gehe im Frühling nicht durch die Straßen und sehe Schneeglöckchen und Krokusse am Straßenrand wachsen. Die ersten zarten Knospen an den Bäumen sind immer weit weg und ich kann nicht sagen: „Ja, langsam wird es sehr warm, ich kann endlich die dicke, plumpe Winterjacke in den Kleiderschrank verbannen.“

Mir ist es verwehrt, im Sommer in den Urlaub zu fahren. Sonne, die meine Nase kitzelt, Vanilleeis, das auf meine Finger tropft, wo ich es hastig auflecke, Baden im Meer, dessen Wasser nach dem Aufenthalt in der Sonne doch noch sehr kalt ist, Ausflüge in die Stadt, tanzen in der Disko, wider jeglicher Vernunft Alkohol trinken, bis mir höllisch schlecht wird. Das geht alles nicht.

Im Herbst kann ich nicht den Kamin anstellen, die Kinder beobachten, wie sie aus Kastanien Igel basteln oder abends Laterne laufen, während sie Martinslieder singen und mit gelben Gummistiefeln durch rot gefärbte Ahornblätter stapfen.

Wenn der Winter kommt, gehen alle Schneemänner bauen, Schlittschuh laufen und bekommen eine Erkältung, nur ich nicht. Türen am Adventskalender werden geöffnet, aber nicht von mir und wenn man mir sagt „Fröhliche Weihnachten, meine Süße“, dann kann ich nicht antworten, so gern ich das auch möchte. Ich höre das Heulen von Silvesterraketen und auch das „Frohes Neues!“, aber nie werde ich mit leisem Klirren ein Sektglas anstoßen, Umarmungen erwidern, Wunderkerzen halten, lachen, mir neue Vorsätze festnehmen, die ja doch nichts werden.

All das geht nicht mehr.

Ich spüre nur eine tiefe Traurigkeit, wenn ich an all das denke. Wenn ich Geburtstag habe, bringt man mir Blumen, ein Teelicht, streichelt mir über das Haar und wünscht mir alles Gute.

Und manchmal, wenn einer von ihnen alleine ist, meine Mutter, mein Vater, mein Bruder, fängt er, fängt sie an zu weinen und ich weiß, die Traurigkeit gilt zum großen Teil mir, aber auch ihnen, weil sie diese Last mit sich tragen müssen. Dann droht mein Herz jedes Mal zu zerbrechen, ich möchte weinen, sie trösten, mich entschuldigen und schreien: „Ich bin doch noch bei euch! Und mir geht es gut, ich habe euch lieb, bitte weint nicht länger meinetwegen!“

Aber das ist nicht möglich.

Für mich ist nichts mehr möglich, ich bin gefangen, erstarrt, eine Puppe, ein Schatten der die Minuten zählt. Wie gerne wäre ich die Märchenprinzessin, die von ihrem Befreier wach geküsst wird, aber in der wirklichen Welt gibt es solche Prinzen nicht, der Zauber existiert nicht, sonst hätte er sicher schon lange dafür gesorgt, dass ich mich aus den unsichtbaren Ketten befreien kann, um zu leben.

Gerade ist wieder Schwester Marianne ins Zimmer gekommen. Sie wird gleich den Katheter wechseln und dabei nicht besonders sanft vorgehen, was ich überhaupt nicht leiden kann. Sie glaubt ja -genau wie meine arme, unwissende Familie!- dass ich sowieso nichts mehr spüren kann, nicht mehr da bin, nur noch existiere und vegetiere. Aber ich bin kein Geist, kein lebendes Fleisch.

Ich liege hier in einem sterilen, seelenlosen Zimmer im Krankenhaus, im Wachkoma und ich kann keinem erzählen, wie sehr ich leide, was ich alles von der Welt miterlebe, ich kann all den Unwissenden nicht entgegen schreien, dass sie sich irren. Ich fühle noch sehr viel!

Ich bin kein Geist!

Reply with quote Post Posted: 22 Oct 2009, 12:44
Re: OOC: Fanfiction
~Es lebe die Ehe~

„Hast du die Mülleimer rausgestellt?“ fragte sie halb abwesend, während sie ein Handy unters Kinn klemmte, mit der linken Hand die Milchpackung aufschraubte und mit der rechten eine eMail-Adresse auf ein zweckentfremdetes Zewatuch schrieb.


„Wolltest du das nicht machen?“ gab er kurz angebunden zurück und verschanzte sich weiterhin hinter der ausgebreiteten Zeitung- ein Bollwerk aus Papier.


Sie warf ihm einen vernichtenden Blick zu und unkte in höchstem Falsett, ihn nachäffend: „Mach‘ ich morgen früh, jetzt ist Fußball. Ich steh‘ um sieben auf.“


Er ließ einen knurrigen Seufzer vom Typ ‚Verdammtes, nervendes Weibsvolk, sieht nie, wann Mann beschäftigt ist, geh mir nicht mit diesem trivialen Scheiß auf die Eier, bitte!‘ hören.


Etwaige hitzige Worte ihrerseits wurden um zwei hektische Minuten verschoben, als sich ihr Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung meldete. Es folgte ein scheinbarer Monolog, gefüllt mit viel „Ja“, „Mhm-mhm“ und „Ja, sicher“. Dann legte sie das Handy weg und starrte ihn an: „Die Müllabfuhr kommt in fünfzehn Minuten. Es ist viertel vor acht.“


Er seufzte abermals, diesmal grimmiger. „Herr des Himmels…!“


„Ich finde das wirklich scheiße!“ zischte sie mit blitzenden Augen. „Mach ich morgen, mach ich nachher. Nichts machst du. Hast du wenigstens das Hemd raus gelegt, das ich bügeln sollte?“


„Ich zieh das Rote an.“


Kurzes Schweigen. Sie goss sich Milch in die Tasse, so herrisch, dass die Flüssigkeit ein wenig überschwappte.


Er schwieg nachdrücklich, die einzigen Geräusche waren das Ticken der Küchenuhr und das leise Rascheln, wenn eine Zeitungsseite umgeblättert wurde.


Sie stellte die Tasse beiseite und verschwand im Badezimmer. Kurz darauf ertönte das leise Fauchen eines Föhns.


Er ließ sein Frühstücksbrett, das benutzte Messer und die noch zu einem Drittel gefüllte Kaffeetasse achtlos auf dem Tisch stehen (wer das Geschirr wegräumte, vielleicht die Frühstücksbrettfee oder aber seine Frau, war ihm nicht bewusst, er dachte nicht einmal an solch profane Dinge) und ging ebenfalls ins Bad.


Sie stand gebückt da und föhnte sich die kurzen, blonden Haare, ohne beim leisen Quietschen der Tür auch nur einmal aufzuschauen.


Er schob sich mit einem ostentativen Knurren/Seufzen an ihr vorbei, obwohl das Zimmer breit genug für Beide war. Dann griff er nach den bereits gestern getragenen Hosen und seinen Socken, die zusammen mit der Unterhose ein unordentliches Bündel vor der Badewanne bildeten. Die Wanne selbst war ebenfalls mit Kleidungsstücken gefüllt.


Sie warf ihr Haar zurück und stellte den Föhn ab. Legte ihn weg. Griff nach dem Schaumfestiger. „Der Spiegel sieht aus…“, bemerkte sie mit kalter Missbilligung, ohne ihn anzusehen. Sie hatte Recht: Wasserflecken und zig Zahnpastaspritzer, die an Sommersprossen erinnerten, verunzierten das Glas.


Er zog die schwarze Hose mit den Bügelfalten über die Hüften. Bürooutfit.


„Ist das so schwer, einmal eben einen Lappen zu nehmen und drüber zu wischen?“ sagte sie unfreundlich.


„Herr des Himmels!“ giftete er wieder. „Hast du deine Tage, oder was?!“


„Immer muss ich deinen Scheiß wegräumen! Mit dir kann man überhaupt nicht reden, ohne dass du gleich an die Decke gehst!“


„Ja, wenn du das so siehst“, sagte er in seinem typisch-abfälligen ‚Ich bin über jeden Zweifel erhaben‘-Tonfall, jenem, der sie systematisch zur Raserei trieb, wie seit nunmehr fast 25 Jahren.


„Du brauchst gar nicht mit mir zu reden, als könnt‘ ich nicht bis drei zählen!“


„Schrei‘ mich gefälligst nicht an, ja!“


„Ich schreie nicht“, schrie sie zurück.


Er verdrehte vielsagend die Augen, verzog vor Verachtung das Gesicht und schlüpfte in seine Socken. „Altersstarrsinn“, sagte er höhnisch in Richtung Wand. (sie war fünf Jahre jünger als er)


Sie verließ das Badezimmer und ging in die Küche zurück, der Schaumfestiger stand geöffnet, aber offensichtlich vergessen auf dem Rand des Waschbeckens.


Er folgte ihr und sah gerade, wie sie mit einem unnötig heftigen Ruck die Spülmaschine schloss. Der Küchentisch war, bis auf ein paar Brotkrümel, leer. „Christian und Mareike kommen am Sonntag zum Fußballgucken. Die schlafen hier“, verkündete er knapp.


„Ist ja schön, dass ich das auch mal erfahre.“ Sie drehte sich ruckartig zu ihm um. „Geht ihr zum Chinesen?“


„Christian fragte, ob du wieder diese Maissuppe machen könntest.“


Dafür hatte sie nur ein abfälliges Schürzen der Lippen übrig. „Ich bin am Sonntag mit Kathrin verabredet. Maissuppe ist aber nicht schwierig, wir haben alles im Haus.“


Er wurde sofort wütend. „Vergiss es“, fauchte er, obwohl er niemals eine direkte Frage gestellt hatte, „wir fahren zum Griechen oder so!“


„Für dich ist immer alles selbstverständlich!“ fauchte sie zurück. „Du kümmerst dich einen Scheiß, aber wenn du irgendwas brauchst, müssen immer alle springen. Rasen gemäht hast du auch nicht, das wolltest du seit zwei Wochen machen!“


Diesmal konnte man das Geräusch, das er voller Inbrunst ausstieß, nicht mehr als gereizt beschreiben, es war schier gequält vor Verachtung und Ungeduld. „Ich werd zehn Stunden am Tag mit Scheiße vollgelabert, dann komm ich nach Hause und will einmal meine Ruhe…“


„…du BIST noch zu Hause!“


„Lässt du mich mal bitte ausreden?! Ich hasse das, immer dieses ins Wort quatschen!“


Sie starrten sich an, 25 Jahre verheiratet, sie mit blond gefärbtem Haar, er mit ergrauten Schläfen. Sie hatte überall kräftig zugelegt, mindestens Konfektionsgröße 48, er schob nur einen riesigen Bauch vor sich her. Alkohol. Viel Alkohol.


Wütend um Fassung ringend, wandte sie sich zur Obstschale, nahm einen Apfel heraus. Öffnete den Besteckkasten. Öffnete den Küchenschrank und suchte nach einem kleinen Teller.


Er riss den Kühlschrank auf und holte zwei Becher Joghurt mit Kirschgeschmack heraus. Die Flaschen im Kühlschrank klirrten protestierend.


„Du musst noch deinen Scheiß für diese Buchzeitschrift überweisen“, bemerkte sie unzusammenhängend und mit vor Wut knirschender Stimme, wobei sie den Apfel in Spalten schnitt.


„Du bist genau wie deine Mutter!“ knurrte er entnervt. Ein heikles Thema, hatte sich die besagte Mutter (pflegebedürftig und undankbar dafür) doch in den letzten Jahren zu einer krächzenden Ausgeburt an Herrschsucht und Besserwisserei entwickelt. (obwohl sie beide arbeiten gingen, lag es an ihr, das ewig nörgelnde, mit sich selbst und der Welt hadernde Geschöpf ein Stockwerk höher am Leben- und bei Laune zu halten. Er war dafür recht gut im Computerspiel ‚World of Warcraft‘)


Sie säbelte verbissen an ihrem Apfel herum und sagte nichts.


Er grunzte entnervt. „Ich muss los. Vergiss die Mülltonnen nicht.“ Sprach’s und verließ mit den Joghurtbechern die Küche, um sich im Flur seine glänzenden, schwarzen Lederschuhe anzuziehen. Bürooutfit.


Sie starrte auf ihren zerschnittenen Apfel herab, ohne ihn zu sehen. Stattdessen sah sie das scharfe Küchenmesser in ihrer Faust. In einer Faust, die den Messergriff so fest umklammerte, dass die Knöchel ihrer Hand trotz der dicken Wurstfinger weiß hervortraten. In einer Faust, die sich seit nunmehr gut 25 Jahren ballte, aber nicht mehr als das. Sie kniff die Lippen zusammen und nahm das Messer. Dann folgte sie ihm in den Flur.

Reply with quote Post Posted: 22 Oct 2009, 12:42
Re: OOC: Fanfiction
Ich LIEBE Stephen King, und "The Stand" ist ja wohl das beste Buch überhaupt ;) also... *verneig*:

Der Dunkle Mann,

Auch Wandelnder Geck


Mag den Job des Schicksalsbringers.


Leben löscht er aus ganz keck,

Fernsehen gibt es nie wieder.


"Nenn' mich einfach Randy Flagg.",

sagt er und macht sich schwebend


Cibola's Sonne brennt vom Himmel nieder.


Der Dunkle Mann,

hält Viren in den Händen.


Im Garten verblüht der letzte Flieder


Captain Trips steckt Mommy und Daddy an.


"Baby, can you dig your man?",

Larry Underwood singt Lieder


Auch wenn das alles von damals ist.


Und


"Mein Leben für dich!",

Mülli hält sein Versprechen


Er bringt die Große Bombe


Alles glüht im Abendlicht.

Reply with quote Post Posted: 22 Oct 2009, 09:53
Re: OOC: Fanfiction
*seufz* Das hast Du echt toll geschrieben *liebt Gedichte* *Daumen hoch*
Würd' mir ja auch mal wieder mehr Muse wünschen, zum Schreiben. Seit die Kinder da sind mach ich das gar nicht mehr... Hab früher sogar Songtexte geschrieben. Leider ist mein "Gekritzel"-Büchlein bei einem meiner vielen Umzüge in den letzten Jahren verloren gegangen. *schnief*
Hier ist noch ein "Geschwisterliebe-Werk" aus ruhigeren Tagen *g*


When your sorrows form nails
Digging into your skin,
Leaving wounds for the whole world to see.
When your whole life seems fake,
And your fortune’s at stake
Be sure you can count on me.

I’m not all that strong,
And I’m not even brave,
And I can’t change what you have been through.
But remember, my fair,
That in times of despair,
I’ll always be right here with you.

I love You.


Ja, ich hab nen Faible für die englische Sprache... ist einfach schön...

Reply with quote Post Posted: 22 Oct 2009, 07:23
Re: OOC: Fanfiction
*snieft*

Das ist wirklich sehr melancholisch. Ich kann ja ums verrecken keine Gedichte schreiben. Daher finde ich das hier eine sehr beeindruckende Leistung.

Reply with quote Post Posted: 22 Oct 2009, 02:33
Re: OOC: Fanfiction
(( Danke euch :) ))

Für meine Warhammerleute...

Wenn der Blutnacht Stunde schlägt
Und ein Wind von Unheil weht
Wenn Mütterherzen heftig schlagen
Und sie keinen Blick zum Fenster wagen
Dann kommen die Jungfern im Schatten leis‘
Kinderseelen sind ihr Preis.
Sodann wird noch in jener Nacht
Ein Ritual zu Ehren Khaines erbracht
Auf dass hundert Kinder sterben
Und einer geboren wird um zu erben
Die Macht des Blutbefleckten Gottes.


Ist dann ein Leben des Lernens gelebt
Hat der Wind erneut geweht
Wird aus dem reinen Elfenherzen
Ein Diener von Blut, von Schatten und Schmerzen
Bereit für diesen ewigen Krieg
In den es die Herren der Zerstörung zieht.

Jener Kreis ist niemals geschlossen
Die Saat des Sieges noch nicht gesprossen
Der stetige Kampf zwischen Schatten und Licht
Einmal gewinnt man, einmal gewinnt man nicht
Bis dahin
Habt ihr eure geweihten Kinder wieder
Flieht schon oder streckt sie nieder
Denn nur mehr Hass fließt durch ihre Adern
Ohne zu zögern
Und ohne zu hadern
Rauben sie auch euch die Seele.

So spinnt sich meine Geschichte zur Unendlichkeit
Bald ist es dann erneut soweit
Wenn wir uns auf dem Schlachtfeld wiedersehen
Ordnung und Zerstörung sich gegenüber stehen
Wenn Stahl mit Magie ein Kriegslied webt
Und über allem ein Hauch von Unsterblichkeit schwebt
Bist auch du ein Teil dieser Welt.

Reply with quote Post Posted: 21 Oct 2009, 13:41
Re: OOC: Fanfiction
:lol: der zweite teil war auch cool :lol:

Reply with quote Post Posted: 20 Oct 2009, 18:28
Re: OOC: Fanfiction
ich habe den 2. gelesen und einen grinsekrampf bekommen, echt klasse!

Reply with quote Post Posted: 20 Oct 2009, 15:12
Re: OOC: Fanfiction
hab den Ersten Teil gelesen, ist voll cool :)

Reply with quote Post Posted: 15 Oct 2009, 22:44
Re: OOC: Fanfiction
~Ein Pen & Paper-Abend in Hamburg...~

Tagebucheintrag von Laylin Nevasca, elfischer Schwertmeister aus Barsaive

Die Sache mit den Schatzkarten

Tag: Vergessen, aber einer ist so scheußlich wie der andere.


Wir lungerten an diesem Abend in einer Taverne herum und waren verzweifelt. Wirklich verzweifelt.

Eine nutzlose, gefälschte Schatzkarte und nichts zu essen im größenteils verloren gegangenen Gepäck, das war es, was wir momentan besaßen. (Nicht viel, wie ich finde)

Ich trank missmutig meinen dritten Humpen Met (meine Gruppenmitglieder versicherten mir oft, sie hätten noch niemals einen derart alkoholabhängigen und trinkfesten Elfen gesehen) und schlug dann plötzlich reflexartig nach unten, als mich etwas am Bein berührte. Ein kleines Kind, die Augen groß und blau vor Heldenverehrung (womit hatten wir uns die bitteschön verdient?) und ich wollte mich schon demonstrativ wegdrehen, als es mich ansprach: „Bist du ein Heeeeeld?“

Wunderbar. Das wollte ich nach einem regnerischen Tag, an dem ich meine gesamte Ausrüstung im Wald vergessen hatte, unbedingt hören.

Ich knurrte: „Nein.“

Und Ferais, unser T’skrang-Luftpirat (wir rätseln immer noch, ob es nun ein Er oder eine Sie ist) bekam diesen ganz bestimmten Blick, für den ich ihn/sie manchmal erwürgen könnte, denn er ist für gut jedes zweite Schlamassel verantwortlich, in das wir bisher geraten sind. „Oh ja, und ob er das ist. Laylin ist ein ganz groß-ar-ti-ger Held!“

Ich brummte unverbindlich und trank ein Glas Umbria.

Das Mädchen wandte sich nun Ferais zu: „Wie wird man denn ein Held? Kann ich das auch werden?“

„Held sein ist ein undankbarer Beruf und die meisten Helden werden von Drachen gefressen, du…“ weiter kam ich nicht, da schlug mir Ferais schon eine Klaue vor den Mund und grinste so breit, dass er sich vermutlich mit etwas gutem Willen eine Selleriestange ins Maul hätte schieben können. Quer, versteht sich.

„Zuerst,“ erklärte er zwinkernd, „brauchst du eine Schatzkarte…!“

„Ähm…,“ machte Tariel, unsere Schützin. Zack, der Ork, kraulte sein Hündchen. Der Zwerg, dessen Namen ich durch das Gebrummel und den Bart nie verstanden hatte, tat so, als würde er uns nicht kennen (kluger Mann) und Mistral, ebenfalls ein T’skrang, beobachtete mit größtem Interesse eine imaginäre Fliege an der gegenüberliegenden Wand.

Das Mädchen wirkte allerdings mehr als begeistert. „Eine Schatzkarte? Wo kann ich die kaufen? Wo kriegt man sowas?“ wollte sie eifrig wissen und Ferais zog mit großer Geste und einem gönnerhaften Lächeln unseren wertlosen Papierfetzen aus der Tasche.

„Du…,“ versuchte ich es noch einmal und diesmal bekam ich einen Tritt gegen das Knie. „Rein zufällig habe ich eine ganz aus-ge-zeiiichnete Schatzkarte im Angebot,“ säuselte Ferais und beobachtete zufrieden, wie die Kleine das Pergament beinahe gierig anstarrte.

„Ich gebe dir mein ganzes Taschengeld!“ rief sie hektisch, fummelte in den Tiefen ihrer Röcke und präsentierte uns dann ganze vier Kupfermünzen.

Ich war wirklich nicht erstaunt, dass dieses rotgeschuppte Schlitzohr dem Handel ohne zu zögern zustimmte.

Ein Windling, der uns die ganze Zeit über beobachtet hatte, schwirrte nun an unseren Tisch herüber und rieb sich geschäftig die Hände. „Habt ihr zufällig noch weitere Karten zu verkaufen?“ fragte er. Ich bekam nicht einmal ansatzweise die Chance für eine Antwort, da zischelte Ferais schon bedeutungsvoll: „Natürlich haben wir das.“ (Warum habe ich nicht auf meine Mutter gehört, als sie mir sagte, ich solle mir andere Spielkameraden suchen)

Der Windling hob eine Braue und Ferais senkte die Stimme: „Wir haben sogar noch etwas viel Besseres als gewöhnliche Schatzkarten. Wir haben…unsichtbare Schatzkarten!“ (das Mädchen, ihres Zeichens angehende Heldin, war inzwischen verschwunden und bekam diese Worte nicht mehr mit)

Ich spielte indes ernsthaft mit dem Gedanken, meinen Humpen zu nehmen und zuzuschlagen. T’skrang-Köpfe dürften eigentlich nicht unzerstörbar sein.

Der Windling geriet bei Ferais‘ Worten ganz aus dem Häuschen. „Was? Wirklich? Das ist wunderbar, großartig! Ich kaufe eine! Nur leider…,“ sein Gesicht nahm einen betretenen Ausdruck an, „…habe ich kaum Geld. Wie wäre es denn stattdessen mit einem magischen Artefakt?“

Nun schauten sogar Mistral und der Zwerg auf.

Der Windling griff sich in eine abgewetzte Brusttasche und holte das Artefakt hervor.

Einen ganz gewöhnlichen, alles andere als magisch aussehenden und nicht einmal besonders wohlgeformten Tannenzapfen.

Ich leerte mein Glas in einem Zug. Schnell.

Ferais‘ Augen leuchteten auf: „Gemacht, mein Herr. Gemacht!“ er legte etwas, das zumindest ich nicht sehen konnte, vor sich auf den Tisch und der Windling schob ihm den Tannenzapfen hin. Begeistert holte der Luftpirat seine überlange Pfeife aus dem Rucksack, stopfte den krümelnden Tannenzapfen hinein, zündete ihn an und rauchte das Ding.

„Alle bescheuert,“ murmelte ich. „Alle.“

Der Windling verabschiedete sich von uns und ich merkte allmählich die Wirkung des Alkohols, allerdings noch nicht stark genug, um diesen Abend wirklich zu verkraften. So schlurfte ich zum Tresen und der Zwergenwirt fragte mich freundlich: „Was darfs denn sein, junger Freund? Ein Gläschen hier von,“ er hielt eine Flasche mit rotem Wein in die Höhe, „oder lieber ein Tropfen von dem hier?“ eine andere Flasche. „Beides,“ erwiderte ich prompt und kehrte mit zwei gut gefüllten Gläsern an den Tisch zurück.

Dummerweise hatte ich nicht gefragt, worum es sich bei dem „Von dem hier“ handelte, und Minuten später war ich so sturzbetrunken wie nie zuvor in meinem Leben. (An dem Abend drehte sich Barsaive um die Sonne und gegen den Uhrzeigersinn…oder so ähnlich)

Kichernd und giggelnd bot ich dem Ork auch etwas von dem Gebräu an, und der große starke Kerl, der mindestens zwei Köpfe größer war und vermutlich das Doppelte wog, war noch viel schneller voll.

„Komma her,“ röhrte Zack und schloss mich in die Arme, „mein Froind.“

„Du warst mir…hicks…von dem ganzen Sauhaufen immer der Liebste!“ gab ich voller Inbrunst zurück und klammerte mich an seinen Hals.

Tariel ignorierte alle inneren Stimmen der Vernunft und trank ebenfalls von dem Zeug. Später begannen wir eine Polonaise und verließen lautstark und nackt die Taverne.

Unnötig zu sagen, dass ich am nächsten Morgen (der übrigens mit einem heftigen Zweikampf zwischen Tariel und Zack um die letzte Flasche geklauten Umbrias begann) mit meiner ganzen Autorität und einem mörderischen Kater darauf bestand, dieses Dorf für mindestens zehn Jahre zu meiden.

Ja, wir sind wirklich eine großartige Heldentruppe.


~Laylin Nevasca~


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