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Achtung! Wenn ihr Geschichten in diesem Forum postet, wird zunächst mal angenommen, dass ihr KEIN Problem damit habt, wenn andere Leute daran mitschreiben! Das bedeutet, irgendeiner kann einsteigen und euren Faden der Geschichte aufnehmen und sie mit einem Part von seinem Charakter weiterschreiben. Wenn ihr das ausdrücklich NICHT wollt, macht bitte eine OOC Notiz im Beginn des Postings.



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 Kreidestriche (Der Schattenhändler) 
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Argonaut
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Er fragte sich ernsthaft wie er in diese Situation geraten war. Die Appelbine hatte er unter guten Vorzeichen betreten. Eigentlich war alles klar gewesen. Um diese späte Stunde würde die Kneipe voll sein mit Leuten und Genpels Hilfskräfte wären voll auf beschäftigt. So würde er seine Geschäfte mit dem Wirt mitten in der Masse abwickeln können – der beste Schutz, den es gab. Doch er hatte Pech.
Pech? Schicksal. Wie auch immer man es nennen will.
Jedenfalls sah er diesen Argonauten mit den grünen Haaren im Eingang stehen, der ihn neulich so merkwürdig angestarrt hatte. Laut seinen Informationen war der Name Red oder etwas in der Art. Jedenfalls drückte er den Jungen zur Seite und strebte zur Theke, unbehelligt. Doch dort angekommen streckte er sein selbstsicheres Grinsen etwas. Kinsey.
Er hatte ihn bereits bemerkt.
Keine schlechte Sache. Auch wenn er mit Kinsey ungern Geschäfte in der Öffentlichkeit machte. Oder eher: Kinsey schätzte das nicht. Es gibt einen Pegel von Illegalität den die Menge nicht überschwemmen kann. In jedem Fall starrte der Anführer der Argo Navis den Schattenhändler an. Er starrte zurück. Dann brach ein breites Lächeln unter der Sonnenbrille auf. Ohne zu verstehen aber übles ahnend zog er sich zurück. Doch dann kam diese Frau und bot ihm einen Fingerhut an.
'Wir müssen reden.'
'Kinsey.'
'Vor der Tür.'
Der Schattenhändler mochte nicht wie freundlich Kinsey sprach. Kinsey war nicht freundlich. Das war ein Fakt. In letzter Zeit hatte er hier und da Geschäfte mit der Argo Navis gemacht. Doch Kinsey hatte immer seine Lakaien geschickt. Er selbst besuchte ihn nur unter der Hand. Bei Azphel.
'Die Dame hat mich eingeladen.'
'Vor der Tür. Ich warte draußen.'
Mit unmißverständlicher Handbewegung und eingefrorenem Lächeln strebte der Ober-Argonaut zur Tür. Der Schattenhändler sah die Frau an, die ihn anguckte wie ein Goldfisch aus seinem Glas. Er zuckte die Schultern, lächelnd, und schluckte den Inhalt des Fingerhutes ab. Schwarze Punkte vor den Augen. Er hielt die Luft an. Wenn ihm jemand harte Drogen umsonst anbot, lehnte er nicht ab. Nach einigen Sekunden hauchte er langatmig aus und blickte dem grünen Qualm nach. Er versammelte die Magie in seinem Inneren um seine Leber und Nieren. Sein linkes Auge glimmte giftgrün auf. Keine gute Zeit um den Rausch zu genießen allerdings. Aber auch kein Grund unhöflich zu sein.
Er stellte den Fingerhut ab als sei er eine Waffe. Kinsey war ihm vorhin viel zu nahe gekommen. Dennoch folgte er ihm. Die Goldfisch-Lady blickte ihm hinterher. Süß. Dachte er. Falsch. Wie sich herausstellen sollte.

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ooc: ihr dürft gerne einsteigen, aber diese Geschichte soll ein Plot an-reißen, welches schon gelaufen ist. Es ist Also mehr eine Nacherzählung von Ereignissen, die ich noch zu Ende führen muss. Wer dabei war und auch etwas aus seiner Sicht nacherzählen möchte, kann das gerne tun, aber bitte beachtet, dass ich derzeit noch hier dran weiter tippe und den gesamten verhängnisvollen Abend noch aus der Sicht des Schattenhändlers beschreiben werde. ,)

Hochachtungsvoll,
Yachalis

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EDIT: Erzählung abgeschlossen. Man darf gerne jederzeit einsteigen.


08 Jun 2010, 21:07
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'Mein Freund.' Kinseys Klaue landete auf seiner Schulter. Seine Augen hefteten sich kurz an die Klaue, dann auf Kinseys schwarze Sonnenbrille.
'Persönlicher Abstand überwunden. Nicht gut,' raunte der Schattenhändler. Er strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und blickte dann breit lächelnd auf. Kinsey lächelte ebenso breit. Die Geste war viel zu überspannt, dennoch hätten die verhätschelten Bonzen, die über die Straßen flanierten es womöglich tatsächlich für ein Treffen unter Freunden gehalten.
'Wir müssen uns unterhalten.'
'Was willst du von mir?'
'Ich habe da ein Paar Dinge gehört.'
'Oh ich bin immer an Informationen interessiert, vor allem, wenn es sie umsonst gibt.'
'Das wird sich noch herausstellen.'
'Was?'
'Was du dafür bezahlst.'
Der Schattenhändler schluckte. Kinsey hörte ihm nicht richtig zu. Es gefiel ihm nicht, wie er sprach. Es war völlig blank. Obwohl er eine gespielte Höflichkeit in seinen Worten vernahm war er sich nicht sicher, ob ihn die Wahrnehmung nicht trügte. Kinsey brauchte ihn. Das war das einzige was ihn hier hielt. Doch eigentlich stand er jetzt schon in einer dunklen Ecke jenseits der Appelbine und blickte in einen tiefen Abgrund hinter den Brillengläsern des Brigadegenerals der Argo Navis. Er wusste, dass Kinsey vollkommen wahnsinnig war. Aber auf viele seiner Kunden traf diese Beschreibung zu. Dennoch. Irgendetwas stimmte nicht. Die Situation könnte es zulassen, dass Kinsey mehr von seinem Wahnsinn zeigte als er es gewohnt war. Irgendetwas... war schief gelaufen.
Dann plötzlich ohne jede Vorwarnung packte ihn der hochgewachsene Daeva um Kragen und zog ihn unsanft hoch, der Saum seines Hemdes schnitt in sein Fleisch und die Klauen des anderen Mannes packten nach und hielten seine Kehle zwischen den kräftigen Händen, die in ihrem Leben so viele andere Männer und Frauen das Leben gekostet hatten.
Der Schattenhändler spuckte und Panik trat in seine Augen. 'K-kinsey,' röchelte er und griff schleunigst an das Handgelenk des Brigadegenerals. 'Verdammte Scheiße was willst du eigentlich von mir?' Die Panik stieg in ihm hoch – die Berührung war zuviel. Niemand mochte erahnen, dass es in ihm dieselbe Angst ausgelöst hätte, hätte Kinsey ihm die Wange getätschelt. Doch das ausbleiben der Luft machte es nicht besser.
Plötzlich sah er alles klarer, das Adrenalin pumpte durch seinen Körper und seine Pupillen wurden zu schmalen Schlitzen. Hinter Kinsey... die Goldfischaugen. Er versuchte sich loszumachen, aber der eiserne Griff der mächtigen Pranken die so viele Jahre lang ein Schwert und keine Papierseiten geführt hatten, lies ihn nicht los. Kinsey schien zu bemerken, wie der Blick des Schattenhändlers von ihm auf einen anderen Fokus überglitt. Er drehte sich um und Yachalis drückte seine Klaue in Kinseys Handgelenk. Der Brigadegeneral der Argo Navis lies ihn los – ohne ein Anzeichen von Schmerz oder Verwunderung, sogar ohne sich nochmal nach ihm umzusehen. Die giftgrünen Augen des Schattenhändlers sprühten vor Zorn und er merkte wie die tiefe gähnende Schwärze in seinem Inneren sich verdickte und wie ein Klumpen Teer in seiner Mitte brodelte.
Kinsey tat irgendetwas. War es eine Reaktion auf --- nein. Aber es sammelte sich Äther in der Luft. Panik ergriff ihn erneut. Wie konnte diese Situation nur so außer Kontrolle geraten? Seit wann war er so leichtsinnig und unterschätzte die Leute? Wie war er soweit gekommen, auf seinem Weg, wenn so ein winziger Fehler ihn so aus der Ruhe brachte?
Ganz einfach, normalerweise machte er keine Fehler. Er wich zurück, wie ein Karnif auf dem Sprung bewegte er sich geschmeidig und flink an der Wand entlang und presste seinen Körper an den Treppenaufgang. Die Frau mit dem Goldfischblick kam näher, fast wie eine Schlafwandlerin – doch irgendetwas in ihrem Blick hatte sich geändert. Dann – Äther. Sein Herz sprang ihm bis zum Hals, drückte schmerzhaft das dirckflüssige Blut durch seine Adern und begann das Teergebilde aufzulösen. Nicht jetzt, flüsterte er ohne einen Ton von sich zu geben. Doch es war schon zu spät. Er fühlte wie immer mehr kleine schwarze Fäden und Klümpchen sich lösten und durch das in Wallung geratene Blut durch seinen Körper pochten.
Die Frau sah ihn an und wirkte einen Zauber. Die grünen Ätherfäden folgten den Bewegungen ihrer Hände und hörten auf die tonlosen Worte, die ihre weichen Lippen formten. 'Keine fremde Magie!' stieß Yachalis aus und rief seine Kugel aus der Halterung an seinem Handrücken. Mit einer geschmeidigen Bewegung seines rechten Arms flog das diamantharte Artefakt zielstrebig an Kinseys Gesicht vorbei und traf die Frau hart an der Schläfe. Sie sank zu Boden. Er sah es kaum noch, denn er drehte sich um, und rannte.
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to be continued


08 Jun 2010, 21:11
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Es war ein geselliger Abend, bis dieser merkwürdige Mann auftauchte und Kinseys gesammte Aufmerksamkeit auf sich zog. Die beiden waren angespannt, man konnte es förmlich zwischen ihnen knistern höre. Kurzentschlossen hob sie ihren Zeigefinge und Genpels stellte einen weiteren Fingerhut voll Knieweich auf die Theke, über dem weißer Dampf waberte. Sie hob ihn auf, trat an die beiden Männer heran und bot dem Kerl vor Kinsey den Knieweich an. Er trank und folgte Kinsey. Sie sah den beiden nach.

Irgendetwas trieb sie dazu, ihnen hinaus zu folgen. Ihr Geist war umnebelt vom Knieweich, aber so stark dieses Zeug auch war und so seelig es sie auch machte, es konnte nicht die Klarheit ihrer Gedanken trüben. Lediglich ihre Aussprache und Motorik litt mitunter gewaltig und täuschte jeden über ihren tatsächlichen Zustand. Allerdings half der Leopis-Cocktail, den sie stets direkt danach trank, gewaltig über die ärgsten Symptome hinweg. Sie taumelte etwas, bevor sie sich wieder fing, den Ausgang anvisierte und schnurstraks hinaus stiefelte.

Kinsey und der Typ standen draußen in der Ecke. Er hielt den Mann am Kragen und sie trat von hinten an ihn heran, ihre Hand sacht auf seine Schulter legend. Er ließ den Kerl los und wandte sich zu ihr um. Der andere... machte einen Satz beiseite. Sie sah Kinsey an. Kinsey sah sie an. Und aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie der Typ neben ihnen seine Hand hob. Reflexartig erhob sie auch ihre und ihre Lippen murmelten fast automatisch einen Schlafzauber. Das wäre ja noch schöner... wenn dieser Kerl nun Kinsey eins reinwürgte.

Etwas traf sie mit enormer Wucht an der rechten Schläfe. Sie spürte, wie sie zusammen sackte, wie die Magie zwischen ihren Fingern verpuffte. Leere Dunkelheit breitete sich um sie aus, nur rechts von ihr war noch etwas... dunkler als die Dunkelheit, leerer als die Leere. Es zog sie an, erfüllte sie gleichzeitig mit Abscheu und Angst. Und dann... entglitt ihr alles. Äther zog sich mit weißblauem Flirren um sie zusammen, erfüllte alles, bis auf jenes Etwas, das sich vor dem schimmernden Hintergrund nun deutlich abhob und mehr und mehr wie ein Fremdkörper wirkte. Bedrohlich. Sie sah das ätherische Gleißen, das von ihr selbst ausging. Und dann streckte sie ... sich aus, um das Ding zu berühren, das sich immer mehr von ihr entfernte. Eine Erschütterung durchlief sie, eine Ätherexplosion blendete sie und warf sie zurück auf den harten Stein und in dunkle, gedankenlose Leere.


08 Jun 2010, 22:06
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Der Schattenhändler floh aus seiner brenzligen Lage. Langsam fühlte sich die Welt taub und immer tauber an. Er sammelte den Äther um sich und verdichtete ihn, baute eine Mauer auf, damit ihn der Äther dieser Frau nicht berühren konnte. Doch es war zu spät. Als er aus der Ecke entwich und auf den Platz vor der Taverne lief, traf ihn die Entladung wie eine unsichtbare Explosion. Die Druckwelle riss Stücke aus ihm heraus. Wie abblätternde Farbe riss die Oberfläche seines weltlichen Körpers auf, platzte regelrecht und verbrannte in der Hitze dieses Feuers, welches niemand durch normale Augen sehen konnte. Im Laufen wurde er von den Füßen geholt und drei Meter über den Boden geschleudert. Wie eine nasse Puppe überschlug er sich. Überall wo seine Gestalt die aus Äther bestehende Realität berührte verschmierte er seine Farben, seine Substanz darauf, als würde er schmelzen.
Dampfend und hilflos zitternd, bleib er am Boden liegen. Den Schock überwand sein Körper schnell, er sprang auf, doch brach sofort wieder zusammen. Jede Faser seines Körpers pulsierte nun, war geschwollen, wund, verbrannt. Tränen stiegen ihm in die Augen und er hob schmerzhaft den Kopf. Die Welt war dumpf und weiß geworden. Überall blätterte an ihm die Farbe ab, schälte sich die Oberfläche seiner Gestalt wie die Haut an einer schuppigen Echse. Doch er wusste, dass das kaum jemand sehen würde. Seine Wahrnehmung war nun invertiert. Er kreuzte die Arme vor der Brust und verdichtete den Äther, zog ihn zu einer Blase um sich herum zusammen und schmolz mit aller Kraft den innerhalb der Mauer verbliebenen Schadstoff. Es wurde dunkel in der Kugel die er erschaffen hatte. Der Boden unter ihm zog Risse.
Er fasste sich an die Brust und sah, wie die Naht aufplatzte. Seine Augen weiteten sich und schwarzer Teer floss aus dem Ypsilon-förmigen Schnitt, der seinen gesamten Oberkörper teilte. Er verrieb die zähe Masse unglücklich.
Für die Außenstehenden blieb all das jedoch verborgen. Er lag am Boden und Blut lief aus seinem Mund, ebenso sickerte es durch sein Hemd und zeichnete das Ypsilon nach, welches er so sorgfältig verbarg.

Wie zur Hölle war er nur in diese beschissene Lage geraten. Das Schlimmste daran war, wie er, der König der Schatten, der Herrscher der dunklen Gassen hier vorgeführt wurde. Diese Welt des Tages und des Zwielichtes war wohl doch gefährlicher als er geglaubt hatte. Nach all den Jahren... hatte er eine Situation so unterschätzt, dass sie ihn das Leben kosten könnte. Er verstand nicht, wie das passieren konnte. Die Fassungslosigkeit verwandelte sich in Wut. Er presste die Zähne hart aufeinander. In seiner Welt war es dunkel und nur weiße Umrisse zeichneten die Umgebung scharf, - viel zu scharf – wie eine invertierte Kohlezeichnung nach.
'Kinsey! Verdammte Scheiße, was willst du eigentlich von mir?' brüllte er durch das Wasser in seinen Augen. Er lachte. Die Welt tropfte an ihm vorbei. Plötzlich weiteten sich seine Gefäße und er sah Kinsey wie er den Äther verdichtete und einen enorm großen Klumpen der Materie zu einer Gestalt formte. Ein Geist! Ein mächtiger Geist...
'Steh auf und wehr dich.'
Der Schattenhändler kam auf die Beine. Wie ein angeschossener Bock, den das Adrenalin wieder auf die Hufe bringt schlidderte er mit den Krallen über den Stein, doch der erste Schlag der Bestie traf ihn und brachte ihn wieder zu Boden noch bevor er auch nur den Versuch unternehmen konnte, einen gleichwertigen Geist zu rufen.
Zitternd lag er auf den Knieen und blickte auf, die Haare verdeckten sein fehlendes Auge, wie immer, doch nun hing es matt und schwer, viel zu schwer eigentlich, denn es war nicht nass. In der anderen Welt, in der der Schattenhändler sich befand, war es dick mit Teer verklebt. Teer, der nun aus der fehlenden Augenhöhle tropfte.

Er sah auf und bemerkte wie Kinsey näher kam, doch der Schlag der Bestie hatte ihn so hart getroffen, irgendwo an irgendeinem Punkt der Realität, dass er nicht aufstehen konnte. Und Kinsey griff mit den eisenharten Klauen nach seinem Gesicht und zog es hoch. Im Gleichen Moment wollten sie das Gleiche, aber aus unterschiedlichen Gründen. Der Schattenhändler grinste und packte Kinseys Gesicht ebenfalls mit beiden Händen. Wie zwei Liebende, die ihre Nähe suchten lief die Zeit an ihnen vorbei und lies sie unendlich langsam werden.

Er warf die teerschwarzen Haare zurück für den Bruchteil einer Sekunde und blickte tief, oh so tief in die Augen des Gegenübers, stieß vor in seinen Kopf, hämmerte durch seinen Schädel mit dem schwarzen Blick, drang in ihn ein, durchbrach die Verteidigung und fühlte seine Seele, schoss wie eine Schlange darauf zu, nahm Wendungen und Umwege schneller als das Licht - und biss zu.


08 Jun 2010, 22:23
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Kinsey taumelte zurück. Nach nur wenigen Sekunden, die eine Ewigkeit wert waren, fasste sich der Brigadegeneral der Argo Navis ins Gesicht und gab keinen Laut von sich, doch alle Muskeln zuckten und verkrampften sich und wer die besondere Gabe der Äthersicht hatte, der bemerkte wie die Ätherstränge wie Peitschten um seinen Körper herum pulsierten. Der Schattenhändler lachte leise und verzweifelt, als sie sich von ihrem 'Kuss' getrennt hatten. Er wischte sich Blut vom Mund, welches für ihn selber wie schwarzer Teer verschmierte und sich dann dampfend in Rauch auflöste. 'Du wolltest es.' sagte er leise, fast ein wenig müde und sein Körper zitterte. 'Was habe ich geweckt?' dachte er tonlos. Doch es machte keinen Unterschied. Kinsey hatte in die Dunkelheit sehen wollen und er hätte das nicht verhindern können. Im Gegenteil, er hatte gespürt, dass es der richtige Zeitpunkt war. Auch wenn das unabhängig von seiner Situation war. Völlig bedeutungslos sein Schicksal. Und nun harrte er der Dinge die da kommen mochten und er gab vor sich selber zu, dass er sich fürchtete.
Der Junge mit den grünen Haaren kam auf ihn zu und da war noch jemand... mit weißen... Haaren. Er konnte nur vermuten. Er redete irgendetwas und der Schattenhändler legte die Haare wieder über sein geheimes Auge und blickte ihn verständnislos an. Dann – mal wieder ganz plötzlich und ohne Vorwarnung – sammelte Kinsey eine enorme Kraft an und ein neuer, mächtiger Geist formte sich scheinbar aus dem Nichts und quoll dampfend und heiß aus der Erde hervor. Der Schattenhändler ließ den Unterkiefer herunterklappen und kam strauchelnd auf die Beine. 'Weg da du Narr!' fauchte er dem Jungen zu als er sah wie Kinseys Augen unter der Brille zu glühen begannen wie Granatäpfel aus Magma.
Er presste die Lippen zusammen, knirschte mit den Zähnen und tat das Einzige, was ihm einfiel. Er rief den Äther außerhalb seines selbsterschaffenen Gefängnisses an, zwang ihm seinen Willen auf und schleuderte einen Stoß der Materie auf Kinseys Gesicht.
Scheppernd viel die Brille zu Boden, wo sie klingelnd zersprang.
Stille.


08 Jun 2010, 22:52
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Dann rannte der Schattenhändler abermals los und der mächtige Geist verfolgte ihn, Kinsey schrie und seine Stimme durchschnitt den Äther und erschütterte das Mark in der Welt des anderen.
'YACHALIS!' brüllte das wilde Tier, das vor wenigen Minuten noch Kinsey gewesen war. Die Augen, nun nicht mehr von der Brille verdeckt pulsierten wie Lava und befehligten blind - wie er ohne Brille war - den Geist. Wie ein Tier unter Wasser folgte sein Blick den Äther- und Teerfäden, die Yachalis hinter sich herzog. Präzise. Tödlich. Schnell. Er brauchte die Augen nicht zum 'sehen'. Seine Instinkte hatten übernommen.
'Er hat meinen Namen gesagt,' schoss es Yachalis durch den Kopf. 'Er lässt heute nichts aus, wirklich nicht. Der Demütigungen sind keine Grenzen gesetzt, die Regeln werden gebrochen. Alle. Es ist zu spät.' Mit aller Macht warf sich Yachalis durch eine Wand aus Äther, spürte schon, wie sich hinter Kinseys Hülle, die von einem wilden Geist beseelt war, eine weitere Quelle des grünen Schadstoffes erhob. Er zwang mit all seiner Macht – das Blut pulsierte in seinen Adern und sein Herz hämmerte mit der Macht eines Vorschlaghammers von Zikel selbst geführt – den Äther außerhalb der Kugel unter seinen Willen und zerrte einen Geist herbei. Flehendlich schreiend materialisierte sich das Wesen welches ohne Vorwarnung aus seiner Welt am Ende des Ätherstroms gerissen worden war und sofort von der Macht des riesenhaften Artgenossen umgerammt wurde. Donnernd und krachend schlugen die beiden Geister in die Wand gegenüber der Apellbine ein und Yachalis Körper krampfte sich zusammen. Zitternd und die Hände vor dem Körper abwehrend gekreuzt stand er auf wackeligen Beinen da, während augenscheinlich Blut aus seinem linken Auge floss – in seiner Welt hinter dem Äther war es dickflüssiger Teer.
'YACHALIS!' brüllte Kinsey wieder als seine mächtige Gestalt, durch die Sicht des Ätherstroms hundert Meter groß – einige Schritte auf sein potentielles Opfer zu machte. Der Schattenhändler erschrak. Kinsey wendete sich zu seinem Geist und pfiff ihn zurück. Yachalis Geist lag in den Trümmern der Wand begraben und entglitt diesen soeben wieder, immer noch wimmernd und desorientiert. Doch der Puppenspieler zog direkt die Fäden und baute das versklavte Wesen vor sich auf um sich zu schützen. Die dünnen Ätherfäden, die er sich getraute durch die dichte Kuppel – das Vakuum – zu schicken, brannten an seinen Fingern. 'Brenn ihm das Fleisch von den Knochen, mein Freund, Lösch ihn aus, bis er geschmolzen ist und seine jämmerlichen Reste bei lebendigem Leibe verdampfen!' Das waren Kinseys Worte und Yachalis wurde bleich – noch schwärzer in seiner Wahrnehmung in der Kugel. Die Bestie kreischte auf, fast wirkte es so als würde Kinsey etwas in ihrer Sprache antworten. Der Schattenhändler wartete nicht, sondern warf seinen Sklaven wild gegen die Macht des anstürmenden Geistes. Harte dumpfe Schläge die zischend Magmafäden überall hin verspritzten spürte er auf seine Kugel einhämmern. Abwehrend die Hände gehoben ging er rückwärts und versuchte durch die brennenden Stränge aus seinen Fingern die Widerstandskraft seines Geistersklaven aufrecht zu erhalten.
Dann öffnete er wütend die Augen, das eine blitzte giftgrün, das andere pechschwarz auf und er warf sich nach vorne, drückte all den Äther den er zusammenkommandieren konnte auf den riesenhaften Geist von Kinsey. Dann wich er behände aus, und als der Gegenangriff folgte, ging sein Plan auf; das Ätherkissen platzte donnernd, sein Sklave riss von den glühenden Fäden ab und verging jämmerlich schreiend während Kinseys Geist grölend in der Ätherexplosion verging.
Yachalis brach zusammen.

Wie... bin ich nur in diese Scheiße... geraten? Er spuckte einen großen Klumpen dunkelrotes, klebriges Blut auf den Boden vor der Appelbine. Das war's. Ich bin ruiniert. Er hat alles kaputt gemacht, dieser Hund. Brennend richtete sich sein Zorn gegen Kinsey, von dem er immer noch nicht wusste, WIESO eigentlich... da sah er die Frau mit den Zöpfen auf sich zutaumeln und seine Augen weiteten sich in blankem Terror. Oh nein... das nicht auch noch....


08 Jun 2010, 22:59
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Pochender Schmerz riss sie wieder ins Bewußtsein. Weit vor ihr verharrte noch immer dieses seltsame Loch im Äther. Sie rappelte sich auf und kroch darauf zu, streckte ihre Hand danach aus, sprach irgendetwas, daß sie selbst nicht verstand. Sie hatte das Gefühl, ihre eigenen Schmerzen wurden von denen des Dinges übertönt. Bedauern packte sie. Sie hatte es nicht verletzen wollen... Trotz des unerträglichen Hämmerns in ihrem Kopf kroch sie weiter. Der Weg schien unendlich lang, das Ding unerreichbar weit weg. Und dann verschwand es. Stimmengewirr hob um sie her an, die Welt bekam wieder Konturen, jemand packte sie und hob sie hoch, was einen stechenden Schmerz durch ihren Schädel jagte, der ihr den Atem raubte. Erneut fiel sie in die wattige Dunkelheit der Bewußtlosigkeit.

~*~

Sie schlug die Augen auf und blinzelte irritiert. Ihr Körper fühlte sich zerschlagen an und ihre rechte Schläfe pochte schmerzhaft. Vorsichtig befühlte sie die Stelle mit den Fingerspitzen. Ein spitzer Stich jagte durch ihren Kopf und unter ihren Fingern wölbte sich eine beachtliche Beule. Leise stöhnte sie auf und blinzelte erneut. Sie sah sich um. Um weitere Schmerzen zu vermeiden, bewegte sie nur die Augen. Sie war in ihrem Zimmer in Vanahal, lag in Kampfausrüstung gekleidet in ihrem Bett und neben ihr saß Jahir. Ihn anstarrend dachte sie angestrengt nach. Sie waren auf der Stahlharke... aber dort sind sie heil und erfolgreich wieder runtergekommen. Sind sie doch? Sie runzelte irritiert die Stirn, was erneut einen Schmerzimpuls auslöste. Zischend atmete sie ein und blickte Jahir prüfend an, ob er aufwachte. Aber er schien tief zu schlafen. Oh... sie hatte Knieweich getrunken. Mit Kinsey und... Sie hatte sogar zwei Knieweich getrunken. Kurz schloß sie die Augen. Und den zweiten mit ... einem Fremden. Sie hatte sich gar nicht betrunken gefühlt. Aber getaumelt hatte sie, als sie Kinsey und dem Fremden nachging... vor die Tür... wo ... Sie riß die Augen auf und flüsterte unwillkürlich: "Kein Äther!" Ihr Gesicht erstarrte, als die Erinnerungen Bilder und Gesprächsfetzen durch ihren schmerzenden Schädel jagten. Abrupt richtete sie sich auf, was ein heiseres, schmerzvolles Stöhnen aus ihrer Kehle presste und die Welt in pochende Schwärze verwandelte, die sie mitriss.

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ooc: Wer wissen will, wie es bei Lu weitergeht, diesem Link als Abstecher in Lu`s Geschichte folgen:
http://www.aion-balder.de/community/ent ... apitel-5.1


09 Jun 2010, 03:08
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Shandorian lehnte mit dem Rücken in einem Torbogen, hinter welchem Schwärze und davor das rege Treiben der Händler wogte, und behielt beides - trotz einer Miene, die nichts deutlicher ausdrückte als Langeweile - sorgfältig im Blick. Der Lidschatten akzentuierte seine fliederfarbenen Augen und unterstrich das Unschuldige in seinen weichen, femininen Zügen, widersprach dieser Unschuld freilich auch gleichzeitig, denn er verriet deutlich Neigung und vermutlich Absicht. Seine Kleidung unterstrich beides. Die ledernen Hosen waren so grob vernäht und saßen so eng, daß sowohl durch die Naht als auch durch die Schnürung hindurch blanke Haut und mitunter schwarzes Haar hervorblitzte. Sein Lederwams war nachlässig verschlossen und verhüllte kaum sein blasses, makelloses Brustbein. Gleichzeitig schienen Haltung und Blick so verträumt, die vollen Lippen so trotzig, daß man beinahe das Gefühl bekommen konnte, er sei sich seiner Wirkung so wenig bewußt wie der provokanten Nachlässigkeit seiner Bekleidung. Was ihn von seinen sonstigen ... Besuchen hier in den Seitenstraßen des Luftschiffhafens von Pandämonium unterschied war die Tatsache, daß sein Blick selten den der Passanten suchte. Keine Einladung, keine Verheißung. Außerdem war dies ganz und gar nicht sein Gebiet. Das Wild, das er zu jagen gekommen war, sollte weder seine Geldkatze füllen, noch seine Bettstatt wärmen und für ein paar Stunden helfen, seine Dämonen vergessen zu lassen. Eigentlich war es einer seiner Dämonen, nach dem er Ausschau hielt. Aber es war ein Dämon, mit dem er gelernt hatte, sich zu arrangieren. Einer, den er vielleicht hätte austreiben können. Aber auch einer, der ihm ständig das Gefühl gab, in einen Spiegel zu blicken und darin ein verzerrtes Spiegelbild seiner selbst zu sehen, ein Abbild, das zumindest einige seiner Sünden durch die Haut hindurch auf die Oberfläche hatte wuchern lassen.

Mit der Gelassenheit eines mächtigen Karnifs ließ Shandorian seinen Blick schweifen. Doch das nervöse Schnuppern verriet, daß die Bestie nicht im eigenen Revier war. Das hier, das war das Revier des Schattenhändlers.

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14 Jun 2010, 20:23
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Er stieß sich von dem Torbogen ab und glitt mit der Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit eines Fisches, der die Tiefen den Meere durchschwimmt, durch den Strom der Passanten. Luftschiffer, Shugos, Schmuggler, Stricher, neugierige Durchreisende, hungrige Bettler, Freier, Taschendiebe - ein buntes Gemisch aller erdenklichen mehr oder minder halbseidenen Professionen trieb an ihm vorbei. Shandorian schien nur Augen für ein einziges Treibgut zu haben, das er jetzt fest an der Schulter packte. Der Knabe zuckte zusammen und versuchte, sich dem Griff des Daeva zu entziehen. Dann folgte auf das erste Erschrecken so etwas wie Erkenntnis.

"Ach - Du bist das!"

"Ja, ich." zischte Shandorian und zerrte den Knaben in das Dunkel eines Hauseingangs. "Wo ist er?"

"Wer?"

"Verarsch mich nich," knurrte der Daeva und drückte den Jungen grob gegen die Wand.

"Ich hab die üblichen Kontakte abgegrast - die Hehler, die Dealer, die Zuhälter und die Aufschneider - und keiner hat ihn in letzter Zeit gesehen. Er hat seine Früchte nicht geerntet, und die ersten hungrigen Mäuler schnappen danach, bevor sie überreif werden. Ich will wissen, wo er is. Wenn er sich versteckt - warum auch immer - dann muß er trotzdem Essen, und jemand muß es ihm beschaffen. Jemand, der unauffällig is. Einer wie Du."

Shandorian drückte etwas fester, so daß der Junge husten mußte, und ließ dann etwas lockerer.

"Ich kann mir nich vorstellen, daß er einfach seinen Laden freigibt. Und ich bin mir sicher, daß er nich tot ist. Also - wo ist er?"

Der Knabe sah Shandorian aus großen, furchtsame Augen an, während er sich mit einem dreckigen, viel zu langen Ärmel den Speichel vom Mund wischte. "Ich ... ich hab keine Ahnung. Er is einfach weg. Ich weiß nich, wohin."

"Ich geb Dir ne Chance, Kleiner. Du bist oft Augen un' Ohren für ihn gewesen. Ich werd's nich verpetzen. Aber ich muß ihn finden. Un' wenn Du mir nich hilfst - oder wenn ich spitzkrieg, daß Du mich hintergehst - dann mußt Du dir über Augen un' Ohrn kein' Kopf mehr machen. Klar?" Er ließ den Jungen los. "Hau ab. Wenn Du'n findest, is es Dein Schaden nich'. Du weißt, wo Du mich findest. Un' jetzt verpiß Dich."

Shandorian drückte dem Knaben eine Goldmünze in die Hand, drehte ihn um und beschleunigte seinen Abgang mit einem Fußtritt ins Gesäß. Er blickte dem Kleinen nach, wie der in dem Strom der Fußgänger untertauchte, fluchte leise, richtete sein Gemächt und seinen Kragen und tauchte ebenfalls wieder in das Gewirr der Gassen ein, wie ei gieriger Raubfisch auf der Suche nach einer verräterischen Blutspur im Wasser.

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15 Jun 2010, 20:45
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Der dürre Junge tauchte in der Menge unter und verschwand. Hastig machte er sich Richtung Taverne, um das so eben erhaltene Goldstück sofort in einem großen Teller Suppe, einem Glas Milch und einer Flasche Schnaps anzulegen. Während er auf sein Essen wartete kauerte er in einer Ecke der Taverne und kaute seine Nägel, nervös aus dem Flachmann nippend.
Als niemand. auf den er gehofft hatte, in die Taverne kam, aß und trank er, was er bestellt hatte und verschwand dann wieder auf die Straße. Er rieb sich das verdreckte Gesicht und bleib am Teich stehen. Er starrte in sein Spiegelbild. Dann knieete er sich hin und wusch sich das Gesicht, erhob sich und nahm erneut nervöse Schlücke von dem Hochprozentigen.

'Luca.' ertönte es hinter ihm und der Junge erschrak.
'Anton,' stammelte das Kind. Der größere Junge trat auf ihn zu und blickte sich nicht um. Er stand in der Menge wie ein Straßenköter, der er war. Niemand beachtete ihn, aber man rempelte ihn nicht an, aus Angst er könnte zuschnappen.
'Komm mit,' sagte er ruhig. 'Dieser Platz hier ist viel zu sauber.'
Luca nickte nur, nahm nervös einen weiteren Zug aus dem Flachmann und bemerkte, dass er schon wieder leer war. Dann wuselte er dem älteren Jungen hinterher und beide verschwanden in der Menge.

In einer dunklen Gasse hielt Anton an und erschrak selber für einen Moment. Ein Shugo stand in der Gasse und zwirbelte sich den Bart. 'Ah! Kundschaft! Njang. Adanerk hat bestimmt etwas, was Kinder brauchen könnten.' Das Wiesel grinste. 'Wollen meine Wahre sehen?'
'Verpiss dich, Fellbratze!' keifte Anton fast hysterisch und holte aus, aber Luca hielt ihn zurück. 'Anton!' rief er laut und fügte leise und etwas nervös hinzu: 'Wir wissen nicht wo er ist! Er kann uns nicht beschützen!'
Anton lies die Hand sinken und knurrte leise. Er sträubte die stuppige Mähne und warf dem Shugo einen vernichtenden Blick zu. Das Wiesel grinste viel zu breit mit seinen spitzen kleinen Zähnen. 'Wir gehen.' Luca und Anton gingen aus der Gasse und fanden schließlich einen ruhigen Ort in den Hinterhöfen Pandämoniums wo keine pelzigen Überraschungen auf sie warteten.

'Was machen wir bloß?' Anton rieb sich die Augen und drückte sich mit dem Rücken an die Wand, rutschte langsam daran herab und drückte sich die Handballen in die Augenhöhlen. Er hatte seit zwei Tagen nicht geschlafen und diese Nagetiere wollten ihm zwar gerne etwas verkaufen um 'runterzukommen' aber er konnte ihre Preise nicht aufbringen.
'Schöne scheiße...' er fluchte und spuckte in den dreckigen Rinnstein. Luca trat eine tote Ratte eher angewidert als gewaltig fort und kauerte sich neben Anton.
'Jemand hat nach ihm gefragt.'
'Wer?'
'Der Hurenjunge.'
'Welcher?' Antons Stimme verriet gereizte Irritation. Sein kleiner Bruder war schwer zu ertragen, wenn man seit drei Tagen clean war. ÜBerhaupt hatte der Schattenhändler den Geschwistern aufgetragen sich niemals zusammen irgendwo sehen zu lassen. Es gab nunmal Regeln. Und er bezahlte sie nur, wenn sie diese einhielten. Dann sorgte er für sie. Aber nun, wo er nicht mehr da war, brach alles zusammen. Die Shugos besetzten seine Plätze und übernahmen langsam seinen Handel... die Krähen, die versuchten seine Lücke zu füllen wurden von den Pelztieren ausgestochen... jedenfalls wenn es um harte Wahren ging. Beim Informationsgeschäft wurden die Meisten wiederum abgestochen. Es gehörte ein gutes Netzwerk aus Erpressung und Schutz und Kontakten dazu, in diesem Geschäft zu bestehen und die wenigsten, die sich ausgemalt hatten, mit ein paar Sätzen einige tausend Kinah zu verdienen, hatten damit gerechnet wieviele Feinde man sich auch gleichzeitig machte.
'Da der...hm. Der Daeva. Mit den schwarzen Haaren, der aussieht wie ein Mädchen, aber keins ist.'
'Ach...' Anton zwang sich aufzuschauen und blinzelte aus roten Augen. Er war blass und zitterte ein wenig, jetzt wo ihn niemand sehen konnte, und er nicht die Stärke zeigen musste, die er auf der Straße notwendigerweise zur Schau stellte. 'Und was hast du ihm gesagt?'
'Dass ich nicht weiß wo er ist.'
'Die Wahrheit also.'
'Jja, aber er glaubt mir nicht.'
'So?'
'Er sagte, selbst wenn er untertaucht muss er essen oder so. Und er denkt ich besorge ihm Essen.'
Anton lachte bitter. 'Ach.... ja. Das wäre was, hm? Ich hab ihn nie essen sehen...' gab er zögerlich zurück. 'So betrachtet wundert es mich plötzlich.'
'Er sagt er macht mich kalt...' Luca biss sich auf die Unterlippe. 'Wenn ich nicht sage wo er ist.'
'Wir sind eh so gut wie tot...' Anton seufzte. 'Wenn ich nicht bald nen Schuss bekomme raste ich aus.'
'Dann... suchen wir ihn?' Die Frage war hilflos von Luca gestellt.
'Niemand kann ihn finden. Die vereinbarten Treffpunkte habe ich abgegrast. Die letzten drei Tage - immer und immer wieder. Mir fällt nichts mehr ein.'
Luca schwieg und kaute an seinen Nägeln, von denen nicht mehr viel übrig war. 'Fragen wir die Großen.'
Anton lachte freudlos. 'Ja gut. Etwas anderes bleibt uns nicht übrig. aber du weißt, dass er das verboten hat, es sei denn er befiehlt es.'
'Ja aber jetzt kann er nichts mehr befehlen,' gab der kleinere Bruder trotzig zurück.
'Na gut.' Anton seufzte. 'sehen wir mal, ob wir das überleben.' Er stand auf und schob sich an der Wand entlang. Die Knie waren weich wie Pudding aber er straffte sein Kreuz und machte sich für den Kampf bereit - den Überlebenskampf in den Straßen. Wer hier Schwäche zeigte wurde fortgebissen. Er würde durchhalten. Er würde nicht zu den Verlierern gehören.

Am Gassenausgang trennten sich die Beiden als hätten sie sich nie gekannt und stoben in verschiedene Richtungen davon, ins Gedränge der belebteren Straßen zur Abendstunde.

_________________
May Heaven smile and the Devil have mercy.

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Banner und Avatare von mr gibt's hier. ^^ Traut euch.


15 Jun 2010, 22:35
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